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IT-Infrastruktur

Glasfaser im Unternehmen: Singlemode oder Multimode?

Glasfaser verbindet Etagen, Gebäude und Serverräume. Wir erklären, wann Singlemode und wann Multimode passt, worauf es bei Steckern und Transceivern ankommt und wie die Abnahme gelingt.

Q-entra RedaktionVeröffentlicht am 5 Min. Lesezeit

Inhalt
  1. Die kurze Antwort: Singlemode für Distanz, Multimode für kurze Wege
  2. So unterscheiden sich Singlemode und Multimode
  3. Typische Einsatzfälle im Unternehmen
  4. Steckverbinder und Transceiver
  5. Spleißen oder vorkonfektionierte Kabel
  6. Reservefasern und Dokumentation einplanen
  7. Messung: Dämpfung und OTDR
  8. Fazit: OS2 für den Backbone, Multimode gezielt einsetzen

Auf einen Blick

  • Singlemode (OS2) überbrückt Kilometer und ist die sichere Wahl für Verbindungen zwischen Gebäuden und für einen zukunftsfähigen Backbone.
  • Multimode (OM3/OM4) reicht innerhalb eines Gebäudes oft aus: Bei 10 Gbit/s sind je nach Fasertyp etwa 300 bis 400 Meter möglich.
  • Faser, Stecker und Transceiver müssen zusammenpassen: Multimode-Module sind nicht für Singlemode-Fasern gedacht und umgekehrt.
  • Planen Sie Reservefasern ein. Zusätzliche Fasern kosten heute wenig, ein neues Kabel später viel.
  • Lassen Sie jede Strecke messen: Dämpfungsmessung für die Abnahme, OTDR für Fehlersuche und Dokumentation.

Die kurze Antwort: Singlemode für Distanz, Multimode für kurze Wege

Singlemode-Fasern der Kategorie OS2 übertragen Daten über viele Kilometer und sind damit erste Wahl für Verbindungen zwischen Gebäuden, Standorten und großen Hallen. Multimode-Fasern (OM3, OM4, OM5) sind für kürzere Strecken innerhalb eines Gebäudes oder Rechenzentrums ausgelegt. Bei 10 Gbit/s kommen sie je nach Typ etwa 300 bis 400 Meter weit.

Für viele Unternehmen ist OS2 heute auch im Gebäude die zukunftssichere Wahl, weil es dort praktisch keine Längengrenze setzt und künftige Datenraten mitträgt. Multimode bleibt sinnvoll, wenn bestehende Multimode-Strecken erweitert werden oder im Serverraum viele kurze Verbindungen entstehen. Die Arbeitsplätze selbst werden weiterhin mit Kupfer angebunden, wie in unserem Beitrag zur Wahl des Netzwerkkabels beschrieben.

So unterscheiden sich Singlemode und Multimode

Der Unterschied liegt im Faserkern. Moderne Multimode-Fasern haben einen Kern von 50 Mikrometern, in dem sich das Licht auf vielen Wegen ausbreitet, den sogenannten Moden. Weil diese Wege unterschiedlich lang sind, laufen die Lichtimpulse mit zunehmender Strecke auseinander (Modendispersion), was die Reichweite begrenzt. Singlemode-Fasern haben einen Kern von rund 9 Mikrometern, der nur einen Modus führt. Das ermöglicht große Distanzen, erfordert aber präzise Laser bei 1310 oder 1550 Nanometern, während Multimode meist mit günstigeren Lichtquellen bei 850 Nanometern arbeitet.

Typische Reichweiten nach IEEE 802.3 (Richtwerte)
Fasertyp1 Gbit/s10 Gbit/sTypischer Einsatz
OM3 (Multimode)bis 550 mbis 300 mBackbone im Gebäude, Bestand
OM4 (Multimode)bis 550 mbis 400 mBackbone im Gebäude, Serverraum
OM5 (Multimode)bis 550 mbis 400 mRechenzentrum mit SWDM
OS2 (Singlemode)5 km und mehr10 km und mehrGebäude, Campus, Standorte

Typische Einsatzfälle im Unternehmen

  • Backbone zwischen Etagen: verbindet den Hauptverteiler mit den Etagenverteilern. Multimode OM4 oder Singlemode OS2, je nach Länge und Ausbauplänen.
  • Verbindungen zwischen Gebäuden: Singlemode OS2, am besten als metallfreies Außenkabel verlegt. Glasfaser trennt die Gebäude elektrisch und vermeidet Probleme durch Potentialunterschiede.
  • Lange Strecken in Hallen und Lagern: Wo Kupfer nach 100 Metern endet, überbrückt Glasfaser die Distanz zu abgesetzten Switches, etwa für Kameras an Einfahrten oder Laderampen.
  • Umgebungen mit elektromagnetischen Störungen: Neben Maschinen, Frequenzumrichtern oder Starkstromtrassen sind Lichtwellenleiter unempfindlich gegen Störfelder.
  • Serverraum und Rechenzentrum: kurze, schnelle Verbindungen zwischen Switches, Servern und Speichersystemen, häufig mit Multimode.

Arbeitsplätze, Telefone und PoE-Geräte bleiben dagegen am Kupfernetz, weil Glasfaser keinen Strom überträgt und Endgeräte fast immer RJ45-Anschlüsse haben.

Steckverbinder und Transceiver

LC als Standard, MPO für parallele Übertragung

In Unternehmensnetzen ist der LC-Duplex-Stecker heute Standard, weil er klein ist und direkt in die üblichen SFP-Module passt. SC findet sich häufig in älteren Installationen und bei Glasfaseranschlüssen von Netzbetreibern. MPO-Stecker bündeln viele Fasern und werden vor allem im Rechenzentrum für parallele Übertragung mit 40 oder 100 Gbit/s eingesetzt. Bei Singlemode zählt zusätzlich der Schliff: APC-Stecker (grün, schräg geschliffen) und UPC-Stecker (blau) dürfen nie miteinander verbunden werden.

Transceiver passend zu Faser und Wellenlänge

Switches nehmen Glasfaser über steckbare Module auf: SFP für 1 Gbit/s, SFP+ für 10 Gbit/s, SFP28 für 25 Gbit/s und QSFP-Varianten für 40 Gbit/s und mehr. Die Bezeichnung verrät den Fasertyp: SR-Module arbeiten mit Multimode bei 850 Nanometern, LR-Module mit Singlemode bei 1310 Nanometern. Bei 1 Gbit/s heißen die entsprechenden Varianten SX und LX. Beide Enden einer Strecke brauchen passende Module. Prüfen Sie außerdem, ob der Switch-Hersteller Module von Drittanbietern unterstützt.

Spleißen oder vorkonfektionierte Kabel

Beim Spleißen wird das Kabel vor Ort verlegt und jede Faser im Verteiler mit einem Pigtail verschweißt, einem kurzen Faserstück mit werkseitig montiertem Stecker. Das ist flexibel bei der Länge, braucht aber ein Spleißgerät, Spleißkassetten und Erfahrung. Gute Spleiße haben eine sehr geringe Dämpfung, meist unter 0,1 dB.

Vorkonfektionierte Kabel kommen mit fertigen, im Werk geprüften Steckern auf die Baustelle. Sie sparen Montagezeit, müssen aber in der Länge genau geplant und mit einer Einziehhilfe vorsichtig verlegt werden.

  • Spleißen eignet sich für lange oder schwer planbare Trassen, Außenkabel und Strecken mit vielen Fasern.
  • Vorkonfektioniert passt gut für kurze, klar definierte Wege, etwa im Serverraum oder zwischen benachbarten Räumen.
  • In beiden Fällen gehören die Fasern in einen Verteiler mit Zugentlastung und geschützter Faserführung.

Reservefasern und Dokumentation einplanen

Eine typische 10-Gbit/s-Verbindung belegt zwei Fasern, eine zum Senden und eine zum Empfangen. Wer nur so viele Fasern verlegt, wie heute gebraucht werden, hat keinen Spielraum für Redundanz, zusätzliche Systeme oder einen Faserbruch. Die Mehrkosten zusätzlicher Fasern sind im Verhältnis zu Planung und Verlegung meist gering.

  • Mindestens die doppelte Faseranzahl des heutigen Bedarfs einplanen, bei Gebäudeverbindungen eher mehr.
  • Eigene Fasern für Redundanz, für Sicherheitstechnik wie Kameras oder Zutrittskontrolle und für spätere Erweiterungen vorsehen.
  • Bei Unsicherheit über den Fasertyp ein Hybridkabel mit Singlemode- und Multimode-Fasern prüfen.
  • Faserbelegung, Farbcodes, Steckertypen und Verteilerstandorte in Plänen festhalten.

Messung: Dämpfung und OTDR

Glasfaserstrecken werden vor der Abnahme gemessen. Die Dämpfungsmessung mit Lichtquelle und Leistungsmesser zeigt, wie viel Licht über die gesamte Strecke verloren geht, und vergleicht das Ergebnis mit einem berechneten Grenzwert. Bei der OTDR-Messung (Rückstreumessung) schickt ein Messgerät Lichtimpulse in die Faser und wertet das zurückgestreute und reflektierte Licht aus. So werden Spleiße, Stecker, Biegungen oder Brüche mit ihrer Position sichtbar.

  • Dämpfung für jede Faser messen und gegen das Budget aus Faserlänge, Steckern und Spleißen prüfen.
  • OTDR-Messungen bei längeren Strecken und Gebäudeverbindungen für Dokumentation und spätere Fehlersuche nutzen, mit Vorlauf- und Nachlauffaser, damit auch die Stecker an den Enden bewertet werden.
  • Polarität prüfen: Sende- und Empfangsfaser müssen an beiden Enden richtig zugeordnet sein.
  • Stirnflächen der Stecker vor jedem Stecken prüfen und reinigen. Verschmutzung ist eine häufige Ursache für Probleme.

Was ein vollständiges Messprotokoll enthalten sollte, lesen Sie in unserem Beitrag zu Messprotokollen der Verkabelung.

Fazit: OS2 für den Backbone, Multimode gezielt einsetzen

Für Verbindungen zwischen Gebäuden und für einen Backbone, der die nächsten Gerätegenerationen tragen soll, ist Singlemode OS2 die naheliegende Wahl. Multimode OM4 bleibt eine gute Lösung für kurze Strecken im Gebäude und im Serverraum. Entscheidend sind passende Komponenten, ausreichend Reservefasern und eine saubere Messung. Q-entra plant und installiert Glasfaser als Teil der strukturierten Verkabelung und bindet sie in Ihre Netzwerk-Infrastruktur ein.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Singlemode und Multimode?

Singlemode-Fasern haben einen sehr dünnen Kern von etwa 9 Mikrometern und übertragen Licht über viele Kilometer. Multimode-Fasern haben einen Kern von 50 Mikrometern und sind für kürzere Strecken von einigen hundert Metern ausgelegt, etwa innerhalb eines Gebäudes.

Ist OM4 oder OS2 besser für den Backbone im Bürogebäude?

Beide funktionieren innerhalb eines Gebäudes. OM4 reicht bei 10 Gbit/s für bis zu etwa 400 Meter. OS2 hat im Gebäude praktisch keine Längengrenze und trägt auch künftige Datenraten. Für neue Backbones und Gebäudeverbindungen ist OS2 meist die sichere Wahl.

Kann ich Singlemode- und Multimode-Komponenten mischen?

Nein. Fasern, Patchkabel und Transceiver einer Strecke müssen zum selben Fasertyp passen. Auch innerhalb von Multimode sollten OM-Klassen nicht wahllos gemischt werden, weil die schwächste Komponente die Reichweite bestimmt.

Wie wird eine Glasfaserstrecke abgenommen?

Für jede Faser wird die Dämpfung gemessen und mit einem berechneten Grenzwert verglichen. Bei längeren Strecken ergänzt eine OTDR-Messung die Abnahme, weil sie Spleiße und Stecker mit Position und Dämpfung sichtbar macht. Die Ergebnisse gehören ins Messprotokoll.

Lassen Sie uns über Ihr Projekt sprechen.

Ob ein einzelnes Gebäude oder mehrere Standorte: Wir hören zu, sehen uns die Situation vor Ort an und schlagen eine passende Lösung vor.