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Messprotokolle der Verkabelung: Worauf es bei der Abnahme ankommt
Ob jede Strecke die Grenzwerte ihrer Klasse einhält, zeigt nur eine Zertifizierungsmessung. Was gemessen wird, was ein gutes Messprotokoll enthält und wann Sie nachfragen sollten.
Q-entra RedaktionVeröffentlicht am 6 Min. Lesezeit
Inhalt
Auf einen Blick
- Nur eine Zertifizierungsmessung belegt, dass jede Strecke die Grenzwerte der geplanten Klasse nach EN 50173 bzw. ISO/IEC 11801 einhält.
- Für die Abnahme wird in der Regel der Permanent Link gemessen, also die fest installierte Strecke ohne Patchkabel.
- Ein gutes Messprotokoll nennt für jede einzelne Strecke Grenzwert, Messgerät, Kalibrierdatum und die Reserve zum Grenzwert.
- Vollständige Messdaten sind in der Regel Voraussetzung für eine Herstellergarantie und sparen bei späteren Störungen Zeit.
- Fehlende Strecken, ein falscher Grenzwert oder reine Pass-Listen ohne Detailwerte sind Warnsignale.
Warum Messprotokolle mehr als Papierkram sind
Bei der Abnahme einer Datenverkabelung zählt vor allem eines: Jede Strecke muss mit einem Zertifizierungsmessgerät gegen den vereinbarten Grenzwert gemessen sein. Das Messprotokoll belegt das für jede einzelne Strecke, mit Grenzwert, Messgerät, Kalibrierdatum und der Reserve zum Grenzwert. Von außen sieht man einer Verkabelung nicht an, ob sie die geplante Leistung bringt, und sie bleibt meist deutlich länger im Gebäude als die Switches, Access Points und Kameras, die daran hängen.
Das Messprotokoll ist damit der Qualitätsnachweis für die Abnahme, die Grundlage für eine Herstellergarantie und ein wichtiges Werkzeug bei späteren Störungen. Wer schon bei der Planung der Datenverkabelung festlegt, was gemessen und wie dokumentiert wird, vermeidet Diskussionen am Ende des Projekts.
Permanent Link oder Channel: Was genau gemessen wird
Der Permanent Link ist die fest installierte Strecke vom Port im Patchfeld bis zur Anschlussdose am Arbeitsplatz, einschließlich der Steckverbinder an beiden Enden. Er ist nach Norm auf 90 Meter begrenzt und bleibt über die gesamte Lebensdauer der Verkabelung unverändert.
Der Channel umfasst zusätzlich die Patchkabel im Schrank und das Anschlusskabel zum Endgerät, insgesamt höchstens 100 Meter. Weil Patchkabel häufig getauscht werden, gilt ein Channel-Ergebnis nur für genau die Kabel, die bei der Messung gesteckt waren. Für die Abnahme einer neuen Installation wird deshalb üblicherweise der Permanent Link gemessen.
| Merkmal | Permanent Link | Channel |
|---|---|---|
| Umfang | Patchfeld bis Anschlussdose | Inklusive Patch- und Geräteanschlusskabel |
| Maximale Länge | 90 m | 100 m |
| Typischer Einsatz | Abnahme neuer Installationen | Fehlersuche, Prüfung einer bestimmten Verbindung |
| Aussagekraft | Gültig, solange die Strecke unverändert bleibt | Gilt nur mit den gemessenen Patchkabeln |
Was ein Zertifizierungsmessgerät prüft
Ein Zertifizierungsmessgerät misst jede Strecke über den gesamten Frequenzbereich ihrer Klasse und vergleicht die Ergebnisse mit den Grenzwerten der Norm. Bei Kupferverkabelung sind das vor allem diese Parameter:
- Wire Map (Belegung): Sind alle acht Adern richtig aufgelegt? Erkannt werden Unterbrechungen, Kurzschlüsse, vertauschte Adern, gekreuzte Paare und gesplittete Paare (Split Pairs).
- Länge und Laufzeit: Die Länge wird aus der Signallaufzeit berechnet. Dazu kommt der Laufzeitunterschied zwischen den Paaren (Delay Skew).
- Einfügedämpfung (Insertion Loss): Wie stark wird das Signal auf der Strecke abgeschwächt? Sie steigt mit Länge und Frequenz.
- Nahnebensprechen (NEXT, PS NEXT): Wie stark stören sich benachbarte Adernpaare? Zu weit aufgedrillte Paare am Anschluss sind eine häufige Ursache.
- Rückflussdämpfung (Return Loss): Wie viel Signal wird durch Unregelmäßigkeiten reflektiert, etwa durch geknickte Kabel oder unsauber aufgelegte Adern?
- Weitere Werte: Fernnebensprechen (ACR-F), Gleichstrom-Schleifenwiderstand und Widerstandsunsymmetrie, die unter anderem für PoE wichtig sind, sowie bei geschirmten Systemen der Schirmdurchgang.
Bei ungeschirmten Cat-6A-Systemen kann zusätzlich das Fremdnebensprechen zwischen benachbarten Kabeln (Alien Crosstalk) stichprobenartig gemessen werden. Glasfaserstrecken werden mit Lichtquelle und Leistungsmesser auf Dämpfung, Länge und Polarität geprüft. Der Grenzwert für die Dämpfung ergibt sich dabei meist aus Länge, Steckverbindungen und Spleißen der Strecke. Eine OTDR-Messung kann das ergänzen und einzelne Spleiße und Stecker sichtbar machen. Mehr zu den Fasertypen lesen Sie im Beitrag zu Singlemode und Multimode.
Normen und Grenzwerte: Klasse statt Kategorie
Die Anforderungen an die Verkabelung beschreiben in Europa die EN 50173 und international die ISO/IEC 11801. Beide unterscheiden zwischen der Kategorie einzelner Komponenten wie Kabel und Buchsen und der Klasse der installierten Strecke. Eine Strecke aus Cat-6A-Komponenten wird gegen die Grenzwerte der Klasse EA geprüft, die bis 500 MHz definiert ist. Die amerikanische Normenreihe TIA-568 spricht dagegen auch bei der Strecke von Kategorie. Steht im Protokoll ein TIA-Grenzwert, wurde nach dieser Norm geprüft. Das ist nicht falsch, sollte aber so vereinbart sein.
Für die Praxis wichtig: Eine Strecke ist nur so gut wie ihr schwächstes Glied. Ein Cat-7-Installationskabel mit Cat-6A-Buchsen ergibt eine Strecke der Klasse EA, nicht der Klasse F. Welche Kombination für Sie sinnvoll ist, erklärt unser Beitrag zur Wahl des richtigen Netzwerkkabels.
Auch das Messgerät selbst muss passen. Anforderungen an Feldmessgeräte und ihre Genauigkeit legen Normen wie die IEC 61935-1 und die US-Norm TIA-1152 fest. Das Gerät muss für die geprüfte Klasse geeignet, mit passenden Adaptern ausgestattet und regelmäßig kalibriert sein.
Was ein gutes Messprotokoll enthält
Ein Messprotokoll sollte jede einzelne Strecke nachvollziehbar machen, auch für jemanden, der bei der Messung nicht dabei war. Achten Sie auf folgende Angaben:
- Eindeutige Streckenbezeichnung, die mit der Beschriftung an Dose und Patchfeld übereinstimmt
- Verwendeter Grenzwert, zum Beispiel Klasse EA Permanent Link nach ISO/IEC 11801 oder EN 50173
- Kabeltyp und eingestellte Ausbreitungsgeschwindigkeit (NVP), weil die Längenangabe davon abhängt
- Messgerät mit Modell, Seriennummer, Kalibrierdatum und Software-Stand
- Datum, Uhrzeit und Name der Person, die gemessen hat
- Ergebnis jeder Strecke mit der Reserve (Margin) in dB für die wichtigsten Parameter, nicht nur Pass oder Fail
Neben der PDF-Zusammenfassung sollten Sie die Messdaten im Originalformat der Messsoftware erhalten. So lassen sich die Ergebnisse später erneut öffnen, auswerten oder an einen Hersteller übermitteln.
Abnahme, Herstellergarantie und Dokumentation
Abnahme
Legen Sie schon im Leistungsverzeichnis fest, dass alle Strecken gemessen werden, welche Klasse und welcher Grenzwert gelten und in welchem Format die Protokolle übergeben werden. Gemessen wird, wenn die Installation abgeschlossen ist und keine Arbeiten anderer Gewerke mehr anstehen, die Kabel beschädigen könnten. Bei größeren Projekten werden oft einige Strecken im Beisein des Auftraggebers nachgemessen.
Herstellergarantie
Viele Hersteller von Verkabelungssystemen bieten eine langjährige Systemgarantie. Voraussetzung ist meist, dass ausschließlich Komponenten dieses Systems verbaut wurden, ein qualifizierter Partnerbetrieb installiert hat und vollständige Messdaten fristgerecht eingereicht werden. Klären Sie diese Bedingungen vor Projektbeginn, nicht erst bei der Übergabe.
Beschriftung und Dokumentation
Messprotokolle helfen nur, wenn sich jede Strecke vor Ort wiederfinden lässt. Dosen, Patchfeld-Ports und beide Kabelenden sollten einheitlich beschriftet sein, und die Bezeichnungen müssen mit Protokoll und Bestandsplan übereinstimmen. Bewahren Sie die Unterlagen auf, solange die Verkabelung genutzt wird. Eine saubere Planung und Projektierung legt dieses Schema fest, bevor das erste Kabel verlegt wird.
Warnsignale im Messprotokoll
- Strecken fehlen, oder die Zahl der Protokolle passt nicht zur Zahl der Anschlüsse
- Der Grenzwert passt nicht zur geplanten Klasse, etwa Klasse E bei einer Cat-6A-Installation
- Es gibt nur eine Liste mit Pass-Ergebnissen, aber keine Detailwerte und keine Originaldaten
- Das Kalibrierdatum fehlt oder liegt länger zurück, als der Hersteller des Messgeräts empfiehlt
- Viele Ergebnisse liegen knapp an der Grenze oder sind als Grenzfall markiert
- Auffällig gleiche Werte, Längen oder Zeitstempel bei vielen Strecken
- Permanent Links mit mehr als 90 Metern ohne nachvollziehbare Erklärung
Keiner dieser Punkte bedeutet automatisch mangelhafte Arbeit, aber jeder sollte vor der Abnahme geklärt werden. Q-entra unterstützt Sie, wenn Sie ein bestehendes Protokoll fachlich einordnen lassen oder eine neue Verkabelung mit vollständiger Messung und Dokumentation planen möchten.