IT-Infrastruktur
Netzwerkkabel wählen: Cat 6A, Cat 7 oder Cat 8 für Büro und Neubau
Cat 7 auf der Kabeltrommel heißt nicht Cat 7 in der Strecke. Wir erklären Kategorien, Schirmung, PoE und Brandverhalten und warum Cat 6A mit Glasfaser-Backbone heute der Standard ist.
Q-entra RedaktionVeröffentlicht am 6 Min. Lesezeit
Inhalt
- Die kurze Antwort: Cat 6A für die Etage, Glasfaser für den Backbone
- Cat 5e bis Cat 8 im Vergleich
- Schirmung: U/UTP, F/UTP oder S/FTP
- PoE und Wärme: Warum der Leiterquerschnitt zählt
- Brandverhalten: Kabel nach EU-Bauproduktenverordnung
- Checkliste für Büro und Neubau
- Fazit: Planen Sie für die Strecke, nicht für das Etikett
Auf einen Blick
- Für neue Büros und Neubauten ist Cat 6A (Klasse EA) heute der sinnvolle Standard: 10 Gbit/s über bis zu 100 Meter und gute Reserven für PoE.
- Cat 7 ist in der Praxis meist ein Installationskabel, das mit Cat-6A-Anschlusstechnik (RJ45) abgeschlossen wird. Die Strecke erreicht dann Cat-6A-Niveau, nicht mehr.
- Cat 8 ist für kurze Verbindungen bis 30 Meter im Rechenzentrum gedacht und bringt im Büro keinen Vorteil.
- Schirmung, Leiterquerschnitt und die Brandklasse nach EU-Bauproduktenverordnung gehören genauso in die Planung wie die Kategorie.
- Zwischen Etagen und Gebäuden ist Glasfaser die bessere Wahl für den Backbone.
Die kurze Antwort: Cat 6A für die Etage, Glasfaser für den Backbone
Für Arbeitsplätze, Access Points, Kameras und andere Endgeräte ist Cat 6A heute die passende Wahl. Sie überträgt 10 Gbit/s über die volle Strecke von 100 Metern und verträgt die höheren Leistungen moderner PoE-Geräte. Technikräume, Etagen und Gebäude verbinden Sie am besten mit Glasfaser.
Entscheidend ist der Blick auf die gesamte Strecke, nicht auf das Etikett der Kabeltrommel. Eine Verkabelung bleibt meist über mehrere Generationen von Switches und Endgeräten im Gebäude. Neue Kabel nachträglich einzuziehen ist teuer und stört den Betrieb. Deshalb lohnt sich eine sorgfältige Planung der Datenverkabelung vor dem ersten Kabelzug.
Cat 5e bis Cat 8 im Vergleich
Die Kategorie beschreibt, für welche Frequenzen ein Kabel oder eine Komponente ausgelegt ist. Die Normen EN 50173 und ISO/IEC 11801 sprechen bei der fertigen Strecke von Klassen, etwa Klasse EA für Cat 6A. Es zählt immer die schwächste Komponente: Kabel, Dose, Patchfeld und Patchkabel müssen zusammenpassen.
| Kategorie | Frequenz | Ethernet (typisch) | Einsatz |
|---|---|---|---|
| Cat 5e | 100 MHz | 1 Gbit/s, oft 2,5 Gbit/s | Bestand, nicht für Neubau |
| Cat 6 | 250 MHz | 1 Gbit/s, 10 Gbit/s nur kurz | Bestand, kleine Projekte |
| Cat 6A | 500 MHz | 10 Gbit/s bis 100 m | Standard für Büro und Neubau |
| Cat 7 / 7A | 600 / 1000 MHz | mit RJ45 wie Cat 6A | Installations- bzw. Verlegekabel |
| Cat 8 | 2000 MHz | 25/40 Gbit/s bis 30 m | Rechenzentrum |
Cat 5e und Cat 6: für bestehende Netze
Cat 5e reicht für Gigabit-Ethernet über 100 Meter und ist in vielen älteren Gebäuden verbaut. Cat 6 schafft 10 Gbit/s nur auf deutlich kürzeren Strecken und nur unter günstigen Bedingungen, weil das Übersprechen zwischen benachbarten Kabeln (Alien Crosstalk) die Reichweite begrenzt. Eine funktionierende Bestandsverkabelung muss nicht sofort ersetzt werden. Für neue Installationen sind beide Kategorien aber nicht mehr zeitgemäß.
Cat 6A: 10 Gbit/s über die volle Strecke
Cat 6A ist für 10GBASE-T über einen Kanal von 100 Metern ausgelegt. Das sind bis zu 90 Meter fest verlegtes Kabel plus insgesamt bis zu 10 Meter Patchkabel an beiden Enden. Damit sind auch Access Points mit Multi-Gigabit-Anschluss und künftige Geräte gut versorgt. Cat-6A-Kabel sind allerdings dicker als ältere Kabel, was bei Kabeltrassen, Leerrohren und Unterputzdosen berücksichtigt werden muss.
Cat 7 und Cat 7A: Das Kabel ist nicht die Strecke
Cat 7 und Cat 7A sind in ISO/IEC 11801 für höhere Frequenzen definiert, verwenden aber eigene Steckverbinder wie GG45 oder TERA statt RJ45. Weil praktisch alle Switches, Access Points und Rechner RJ45-Buchsen haben, werden Cat-7-Installationskabel in der Regel mit Cat-6A-Dosen und -Patchfeldern abgeschlossen. Die Strecke erreicht dann Klasse EA, also Cat-6A-Niveau. Das ist eine bewährte und gerade im deutschsprachigen Raum verbreitete Lösung, bringt aber keine höhere Datenrate.
Cat 8: für kurze Strecken im Rechenzentrum
Cat 8 ist für 25GBASE-T und 40GBASE-T ausgelegt, allerdings nur über Kanäle bis 30 Meter. Gedacht ist die Kategorie für Verbindungen zwischen Switches und Servern innerhalb einer Rackreihe. Im Büro bringt Cat 8 keinen Vorteil: Arbeitsplatzstrecken sind oft länger als 30 Meter, und für hohe Datenraten zwischen Verteilern ist Glasfaser die etablierte Lösung.
Schirmung: U/UTP, F/UTP oder S/FTP
Die Angabe vor dem Schrägstrich beschreibt die Gesamtschirmung des Kabels, die Angabe danach die Schirmung der einzelnen Adernpaare. U steht für ungeschirmt, F für Folie und S für Geflecht. TP bedeutet verdrillte Paare.
- U/UTP: ohne Schirm und leicht zu verarbeiten, bei Cat 6A aber vergleichsweise dick. Verbreitet in Großbritannien und den USA.
- F/UTP: Folie um alle Paare. Ein guter Kompromiss aus Schutz gegen Störungen, Durchmesser und Verarbeitung.
- S/FTP: Geflecht um das Kabel und Folie um jedes Paar. Typisch für Cat-7-Installationskabel und in Büros in Österreich und Deutschland sehr verbreitet.
Geschirmte Kabel schützen besser gegen äußere Störungen und Übersprechen zwischen Kabeln, zum Beispiel in Produktionshallen oder neben Starkstromleitungen. Das funktioniert aber nur, wenn der Schirm durchgehend über Dose, Patchfeld und Patchkabel geführt ist und das Rack fachgerecht in den Potentialausgleich eingebunden ist. Ein unterbrochener Schirm verschenkt den Vorteil.
PoE und Wärme: Warum der Leiterquerschnitt zählt
Mit Power over Ethernet versorgen Sie Access Points, Kameras, Telefone oder Zutrittsleser direkt über das Datenkabel. IEEE 802.3bt erlaubt bis zu 90 Watt am Switch-Port, beim Endgerät kommen nach den Verlusten im Kabel rund 71 Watt an. Der Strom erwärmt die Leiter, und in dichten Kabelbündeln addiert sich diese Wärme. Höhere Temperatur bedeutet höhere Dämpfung und kann im ungünstigen Fall die zulässige Streckenlänge verringern.
- Kabel mit dickeren Leitern, etwa AWG 23 oder AWG 22, haben einen geringeren Widerstand und erwärmen sich weniger.
- Große, dicht gepackte Bündel vermeiden, vor allem in gedämmten Bereichen und schlecht belüfteten Schächten. Hinweise zu Bündelgrößen gibt die technische Spezifikation ISO/IEC TS 29125.
- Keine Kabel mit kupferkaschiertem Aluminium (CCA) verwenden. Sie entsprechen nicht den Normen für strukturierte Verkabelung und erwärmen sich unter PoE-Last stärker.
- Anschlusstechnik wählen, die für PoE-Leistungen ausgelegt ist, damit Stecken und Ziehen unter Last die Kontakte nicht beschädigt.
Brandverhalten: Kabel nach EU-Bauproduktenverordnung
Kabel, die dauerhaft in Gebäuden verlegt werden, gelten in der EU als Bauprodukte. Nach der Bauproduktenverordnung (CPR) wird ihr Brandverhalten in Klassen von Aca bis Fca eingeteilt, ergänzt um Zusatzklassen für Rauchentwicklung (s), brennendes Abtropfen (d) und Säuregehalt der Brandgase (a). Die Klasse steht in der Leistungserklärung des Herstellers und auf dem Etikett von Trommel oder Ring.
Welche Klasse ein Gebäude verlangt, legen nicht Netzwerkplaner fest, sondern die baurechtlichen Vorgaben und das Brandschutzkonzept, etwa für Fluchtwege oder öffentlich zugängliche Bereiche. Klären Sie die Anforderung früh mit Architektur, Brandschutzplanung oder Hausverwaltung. Halogenfreie Kabelmäntel sind in Büros ohnehin üblich, weil sie im Brandfall weniger korrosive Gase freisetzen.
Checkliste für Büro und Neubau
- Anschlüsse pro Arbeitsplatz festlegen und Reserven für Access Points, Kameras, Zutrittsleser und Drucker einplanen.
- Für die Etagenverkabelung Cat 6A (Klasse EA) vorsehen, als Installationskabel Cat 6A oder Cat 7 mit Cat-6A-Anschlusstechnik.
- Ein Schirmungskonzept festlegen und durchgehend umsetzen, inklusive Potentialausgleich im Technikraum.
- Leiterquerschnitt und Bündelgrößen auf die geplante PoE-Last abstimmen.
- Die geforderte Brandklasse vor der Bestellung klären und in der Ausschreibung nennen.
- Verteiler und Gebäude mit Glasfaser verbinden. Welche Faser passt, lesen Sie in unserem Beitrag zu Singlemode und Multimode.
- Jede Strecke messen lassen und sich die Messprotokolle zusammen mit Plänen und Beschriftung übergeben lassen.
Fazit: Planen Sie für die Strecke, nicht für das Etikett
Für die meisten Büros, Praxen, Geschäfte und Neubauten ist eine Cat-6A-Verkabelung mit Glasfaser-Backbone eine solide Basis für die kommenden Jahre. Cat 7 als Installationskabel ist eine gute Option, solange klar ist, dass die Strecke Cat-6A-Niveau erreicht. Cat 8 gehört ins Rechenzentrum. Wenn Sie einen Neubau, einen Umbau oder eine Übersiedlung planen, unterstützt Sie Q-entra bei der strukturierten Verkabelung von der Planung bis zum Messprotokoll.