IT-Infrastruktur
PoE richtig planen: Normen, Leistungsbudget und Verkabelung
Kameras, Access Points, Telefone und Zutrittsleser beziehen ihren Strom immer öfter über das Netzwerkkabel. So planen Sie Normen, Switch-Leistung, Kabel und Notstrom, damit die Geräte im Betrieb zuverlässig laufen.
Q-entra RedaktionVeröffentlicht am 6 Min. Lesezeit
Inhalt
- Kurz beantwortet: Was bei der PoE-Planung zählt
- Die PoE-Normen im Überblick
- Welche Geräte wie viel Leistung brauchen
- Das PoE-Budget des Switches richtig berechnen
- Kabel: 100-Meter-Grenze und Wärme im Kabelbündel
- Stromausfall: Warum PoE-Switches an eine USV gehören
- Längere Strecken: PoE-Extender und Alternativen
- Fazit: PoE ist Planungssache
Auf einen Blick
- Wählen Sie die PoE-Norm passend zum Gerät: 802.3af liefert bis 15,4 W am Switch-Port, 802.3at bis 30 W, 802.3bt bis 60 W (Type 3) oder 90 W (Type 4).
- Am Gerät steht weniger Leistung zur Verfügung, als der Switch-Port abgibt, weil ein Teil im Kabel als Wärme verloren geht.
- Rechnen Sie das Leistungsbudget des Switches mit den Maximalwerten aller Geräte und planen Sie Reserve ein.
- Eine Strecke darf höchstens 100 Meter lang sein. In großen Kabelbündeln mit hoher Leistung ist Cat 6A im Vorteil.
- PoE-Switches gehören an eine USV, sonst fallen bei Stromausfall Kameras, WLAN, Telefone und Zutritt gleichzeitig aus.
Kurz beantwortet: Was bei der PoE-Planung zählt
Power over Ethernet (PoE) versorgt Geräte über das Netzwerkkabel mit Strom. Für eine zuverlässige Planung brauchen Sie vier Dinge: die passende PoE-Norm für jedes Gerät, einen Switch mit ausreichendem Leistungsbudget, eine Verkabelung, die Länge und Wärme verkraftet, und eine Notstromversorgung für die Switches. Wer diese Punkte früh klärt, vermeidet Kameras, die nachts neu starten, und Access Points, die nur mit eingeschränkten Funktionen laufen.
PoE ist bequem, weil an der Kamera oder am Access Point keine Steckdose nötig ist. Gleichzeitig hängt damit viel Technik an wenigen Switches. Umso wichtiger ist eine saubere Rechnung vor der Installation.
Die PoE-Normen im Überblick
Die Normen der Reihe IEEE 802.3 legen fest, wie viel Leistung ein Switch-Port (Fachbegriff PSE, Power Sourcing Equipment) abgeben darf und wie viel dem Endgerät auch bei 100 Metern Kabel sicher zur Verfügung steht. Die Differenz deckt die Verluste ab, die im Kabel als Wärme entstehen. Die älteren Normen nutzen zwei Adernpaare, 802.3bt kann alle vier Paare verwenden.
| Norm | Gängiger Name | Am Switch-Port | Am Gerät |
|---|---|---|---|
| 802.3af (Type 1) | PoE | 15,4 W | 12,95 W |
| 802.3at (Type 2) | PoE+ | 30 W | 25,5 W |
| 802.3bt Type 3 | PoE++ | 60 W | 51 W |
| 802.3bt Type 4 | PoE++ | 90 W | 71,3 W |
Normgerechtes PoE prüft vor dem Einschalten, ob am anderen Ende ein PoE-fähiges Gerät hängt, und ermittelt dessen Leistungsklasse. Ein gewöhnlicher Laptop am selben Port erhält deshalb keinen Strom. Ein Gerät, das 802.3bt verlangt, bekommt an einem älteren Port nur die geringere Leistung und läuft dann je nach Modell eingeschränkt oder gar nicht. Anders ist sogenanntes passives PoE, das ohne diese Prüfung dauerhaft Spannung anlegt: Es ist nicht normkompatibel, kann Geräte beschädigen und sollte nicht mit normgerechtem PoE gemischt werden.
Welche Geräte wie viel Leistung brauchen
- IP-Kameras: Einfache Dome- und Bullet-Kameras kommen oft mit 802.3af aus. Infrarotbeleuchtung, Heizung, Motorzoom oder schwenkbare PTZ-Kameras erhöhen den Bedarf, teils auf 802.3at oder 802.3bt.
- WLAN-Access-Points: Aktuelle Modelle für Wi-Fi 6, 6E und 7 brauchen häufig 802.3at, manche 802.3bt. Bei zu wenig Leistung schalten einige Geräte Funkmodule oder Anschlüsse ab. Wie viele Access Points Sie brauchen, klärt die WLAN-Planung fürs Büro.
- IP-Telefone: Meist genügt 802.3af, Modelle mit großem Farbdisplay oder Erweiterungsmodul brauchen teils 802.3at.
- Zutrittsleser und Türstationen: Leser selbst benötigen wenig Strom. Versorgt das Gerät auch einen Türöffner oder hat es eine Kamera, steigt der Bedarf.
- Weitere Geräte: Kleine Switches, Thin Clients, Displays und Sensoren werden ebenfalls immer öfter per PoE versorgt.
Das PoE-Budget des Switches richtig berechnen
Jeder PoE-Switch hat ein Gesamtbudget, also die Leistung, die er auf alle Ports zusammen verteilen kann. Dieses Budget ist oft kleiner als die Summe aller Ports. Ein Beispiel: Ein Switch mit 24 PoE-Ports und 370 W Budget kann nicht alle Ports gleichzeitig mit 30 W versorgen, dafür wären 720 W nötig.
- Alle PoE-Geräte pro Switch auflisten, mit Norm und maximalem Verbrauch laut Datenblatt.
- Die Werte addieren und Kabelverluste einrechnen. Auf der sicheren Seite sind Sie mit dem Wert am Switch-Port aus der Tabelle oben, also etwa 30 W für ein PoE+-Gerät.
- Eine Reserve von etwa 20 bis 30 Prozent für Erweiterungen und Lastspitzen einplanen.
- Prüfen, ob der Switch die benötigte Norm an genug Ports bietet, etwa 802.3bt für PTZ-Kameras oder neue Access Points.
- Prioritäten festlegen: Kritische Ports wie Eingangskameras oder Zutrittsleser erhalten Vorrang, falls das Budget knapp wird.
Achten Sie auch darauf, wie der Switch die Leistung zuteilt. Manche Modelle reservieren pro Port die volle Leistung der ermittelten Klasse, andere richten sich nach dem tatsächlichen Verbrauch oder einer Aushandlung per LLDP. Die Reservierung nach Klasse ist sicherer, verbraucht aber mehr Budget.
Kabel: 100-Meter-Grenze und Wärme im Kabelbündel
Für PoE gilt dieselbe Grenze wie für Ethernet: Ein Übertragungskanal darf höchstens 100 Meter lang sein, aufgeteilt in maximal 90 Meter fest verlegtes Kabel und zusammen 10 Meter Patchkabel. Längere Strecken funktionieren im Test vielleicht, sind aber nicht normgerecht und können unter Last instabil werden.
Bei hoher Leistung kommt die Wärme hinzu. Jedes stromführende Kabel erwärmt sich, und in dicht gepackten Bündeln kann die Wärme schlecht entweichen. Höhere Temperaturen erhöhen die Dämpfung und können im ungünstigen Fall die zulässige Länge verkürzen. Die technische Spezifikation ISO/IEC TS 29125 enthält dafür Planungsregeln zu Bündelgrößen und Verlegeart. Cat-6A-Kabel haben in der Regel stärkere Adern als Cat 5e und erwärmen sich dadurch weniger, eine Schirmung leitet die Wärme zusätzlich besser ab. Welche Kategorie zu Ihrem Gebäude passt, erklärt unser Beitrag Cat 6A, Cat 7 oder Cat 8.
Stromausfall: Warum PoE-Switches an eine USV gehören
Mit PoE hängen Kameras, Access Points, Telefone und Zutrittsleser an wenigen Switches. Fällt dort der Strom aus, ist alles gleichzeitig weg. Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) überbrückt kurze Ausfälle und verschafft Zeit für ein geordnetes Herunterfahren.
- Die ganze Kette absichern: Neben den PoE-Switches auch Core-Switch, Firewall und Rekorder an die USV hängen. Sonst laufen die Kameras weiter, aber nichts wird aufgezeichnet.
- Richtig dimensionieren: Rechnen Sie mit der zu erwartenden Höchstlast der PoE-Geräte plus Eigenverbrauch der Switches und Netzteilverlusten. Das PoE-Nennbudget des Switches allein sagt darüber wenig aus.
- Überbrückungszeit festlegen: Klären Sie, wie lange welche Geräte laufen müssen, etwa Kameras und Zutritt länger als das Gäste-WLAN. Bei Türen gemeinsam mit Brandschutz und Haustechnik festlegen, ob sie bei Stromausfall offen oder verriegelt bleiben.
- Warten und testen: USV-Batterien altern. Planen Sie regelmäßige Tests und einen Tausch nach Herstellerangabe ein.
Längere Strecken: PoE-Extender und Alternativen
Liegt ein Gerät weiter als 100 Meter vom Switch entfernt, hilft ein PoE-Extender. Er frischt das Signal auf, reicht die Stromversorgung weiter und ermöglicht so eine weitere Strecke von bis zu 100 Metern. Da der Extender selbst Strom verbraucht, kommt am Endgerät weniger an, und jedes zusätzliche Gerät ist eine weitere mögliche Fehlerquelle.
Für größere Distanzen, Außenanlagen oder Verbindungen zwischen Gebäuden ist Glasfaser meist die bessere Lösung: eine Glasfaserleitung zu einem kleinen PoE-Switch vor Ort, der lokal mit Strom versorgt wird. Ein metallfreies Glasfaserkabel trennt die Gebäude außerdem elektrisch, was bei unterschiedlichen Erdpotenzialen und Überspannungen ein Vorteil ist. Manche Switches bieten zudem einen Modus für längere Kupferstrecken mit reduzierter Datenrate, der aber außerhalb der Norm liegt.
Fazit: PoE ist Planungssache
PoE spart Steckdosen, Netzteile und Montageaufwand, verlangt aber eine sorgfältige Rechnung. Wer Normen, Budget, Kabel und Notstrom gemeinsam plant, erhält ein Netz, das auch unter Volllast und bei Stromausfall verlässlich bleibt. Q-entra plant Netzwerk und WLAN, Datenverkabelung und Videoüberwachung aufeinander abgestimmt, damit jedes Gerät die Leistung bekommt, die es braucht.